Nepal: Niemand wird vergessen

14 Dezember 2016

Nepal: Niemand wird vergessen

Auf meine Frage hin, wann sie sich kennengelernt hätten, brachen Dhana, 73, und seine Frau Mansuba, 69, in schallendes Gelächter aus. Es war herrlich, ihre Gesichter so strahlen zu sehen. Schliesslich war ihr Leben bis vor Kurzem ein einziger Kampf gewesen.

Das Haus von Dhana und Mansuba war durch die Erdbeben im Jahr 2015 massiv zerstört worden. Da sie keinen anderen Zufluchtsort hatten, zogen sie in ihren Viehstall – eine feuchte, mit Bambus und Plastikplanen errichtete Scheune.

Vergangenen Winter erkrankte Dhana schwer. Auch bot der Stall dem Paar kaum Schutz vor der Kälte. Mansuba kümmerte sich Tag und Nacht um ihren Mann. Sie befürchteten das Schlimmste – doch Dhana überstand den Winter.

Im Frühling erhielten die beiden eine erfreuliche Nachricht: Mitglieder ihrer Dorfgemeinschaft hatten sie für ein neues Unterkunfts-Projekt ausgewählt. Lokale Maurer würden ihnen ein Modellhaus errichten – mit Unterstützung von Medair. Das Ehepaar war ausser sich vor Freude. 

„Wir kümmern uns um unsere Enkelin“, erzählte mir Dhana mit glänzenden Augen. „Sie ist unser kleiner Wirbelwind. Ihre Mutter verstarb 20 Tage nach ihrer Geburt. Wir möchten, dass sie ein gutes Leben führen und zur Schule gehen kann. Dafür muss ich hart arbeiten. Aber ich bin schon alt und schaffe nicht mehr so viel wie früher“.

In Nepal investiert Medair in die Ausbildung lokaler Maurer. Damit stellen wir sicher, dass das Land nach höchstmöglichen Standards und mithilfe katastrophensicherer Bautechniken wiederaufgebaut wird. Im Anschluss an das theoretische Training errichten die Maurer Modellhäuser, die den bedürftigsten Menschen – wie Dhana und Mansuba – zur Verfügung gestellt werden.     

„Die Maurer haben uns sehr geholfen“, erklärte Dhana. „Sie haben hart an unserem Haus gearbeitet und sogar Wasser für uns geholt. Das kostet uns viel Kraft. Nun kann ich mich voll und ganz auf unseren Acker konzentrieren. Die Ernte wird nicht reichen, um uns das ganze Jahr zu ernähren – deshalb flechte ich zusätzlich Körbe, die ich auf dem Markt verkaufe.“

Auch die Maurer sind dankbar für die Chance, die Medair ihnen gibt. Während der Schulungen erlernen sie wesentliche Konstruktionstechniken und sind dadurch besser qualifiziert. So können sie ihre Familien fachmännisch unterstützen. „Wir wissen jetzt alles über katastrophensichere Häuser, kennen die spezifischen Mittel und Baumethoden dafür“, freute sich einer der frisch geschulten Maurer. „Beim nächsten Erdbeben werden zahlreiche Menschen und ihre Häuser geschützt sein. Das macht mich stolz. Es ist so wichtig, dass wir die alten Baumethoden nicht mehr anwenden.“

Während sich Dhana und Mansuba auf den unmittelbar bevorstehenden Einzug freuten, blickten sie mich immer wieder vielsagend an und lächelten. Abschliessend meinte Dhana: „Ich bin sehr dankbar, dass die Dorfgemeinschaft uns ein neues Haus gebaut hat. Heute mache ich mir nicht mehr so viele Sorgen, denn bald haben wir ein sicheres Zuhause. Mag sein, dass wir langsam alt werden. Aber zum Glück hat man uns nicht vergessen.“

Möchten Sie mehr über die Wiederaufbauprojekte von Medair in Nepal erfahren? Hier gelangen Sie auf unsere Nepal-Seite.

Die Arbeit von Medair in Nepal wird ermöglicht von EO Metterdaad (NL), Woord en Daad (NL), Stiftung Glückskette (CH), All We Can (UK), Red een Kind (NL) sowie private Spendern.

Die Inhalte dieses Artikels stammen von Mitarbeitenden von Medair in den Einsatzgebieten sowie am internationalen Hauptsitz. Die Meinungen entsprechen ausschliesslich den Ansichten von Medair und damit nicht unbedingt dem offiziellen Standpunkt anderer Hilfsorganisationen.


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