Madagaskar: „Auf Regen warten? Das war gestern!“

07 Februar 2018

Madagaskar: „Auf Regen warten? Das war gestern!“

Im Nordosten von Madagaskar, einem Feuchtgebiet, liegt das kleine Dorf Ambodiampana. Seit 2001 hat sich das Leben hier sehr verändert.

Vorher hatten die Menschen in Ambodiampana das verschmutzte Wasser aus dem Fluss getrunken. Um es zu holen und nachhause zu schleppen, waren sie täglich mehrere Kilometer gelaufen. Sie hatten keine Wahl gehabt. Wasserbedingte Krankheiten waren weit verbreitet.

Dann kam Dr. Charline. Sie wurde Oberärztin im Zentrum für medizinische Grundversorgung in Ambiodiapana. Aus der Hauptstadt Antanananirivo war sie gewohnt, Leitungswasser zu trinken. Dr. Charline erinnert sich: „Das Wasser aus dem Fluss schmeckte sonderbar. Als Ärztin wusste ich, dass es gesundheitsschädigend war.“


Dr. Rabesiranana Charline

Da kam der Medizinerin die Idee, das Regenwasser in diesem Feuchtgebiet zu sammeln. 2005 war das Gesundheitszentrum soweit ausgestattet, um Regenwasser aufzufangen und zu speichern. Anstelle des Wassers aus dem Fluss liess Dr. Charline ihre Patienten nun das gespeicherte Wasser trinken.

Am Anfang waren die Menschen zurückhaltend, nach und nach jedoch von der Sache überzeugt. Sie begannen sogar, ihr eigenes Speichersystem zu errichten. Das so gesammelte und gespeicherte Wasser reichte bis zu einem Monat.

Als Medair 2013 nach Ambodiampana kam, suchten wir sogleich das Gespräch mit den Dorfvorstehern. Wir wollten alles über den Bedarf an sauberem Trinkwasser erfahren und herausfinden, wie wir die Menschen am besten unterstützen konnten. Zwischen 2013 und 2017 führte Medair ein ambitioniertes humanitäres Hilfsprojekt durch – Rano Tsara 2. Ziel war es, ländlichen Dorfgemeinschaften ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser einen solchen zu verschaffen.

In Ambodiampana sahen die Medair-Mitarbeitenden wie aufwändig das Sammeln und Speichern von Regenwassser für die Menschen war. Direkt im Dorf errichteten sie eine durch Schwerkraft betriebene Wasserbezugsstelle und installierten Zapfhähne. „Für sauberes Trinkwasser muss in Ambodiampana heute niemand mehr weit laufen“, schmunzelt Dr. Charline. „Auf den Regen warten? Auch das war gestern. Jedem von uns steht rund um die Uhr sauberes Trinkwasser zur Verfügung!“

Um die Gesundheit zu fördern, klärte Medair die Familien auch über gutes Hygieneverhalten auf. Zudem brachten wir einzelnen Dorfbewohnern bei, wie sie die Infrastruktur instand halten.

„Durchfallerkrankungen sind in meinem Dorf deutlich zurückgegangen“, so Dr. Charline. „Als Ärztin in Ambodiampana freut mich das sehr, denn es verbessert das Leben der Menschen enorm. Gerade Frauen profitieren davon. Sie verbringen viel weniger Zeit mit Wasserholen und sind dankbar, ihren Kindern sauberes Trinkwasser geben zu können.“

Während des Projekts Rano Tsara 2 installierte Medair 270 durch Schwerkraft betriebene Wasserpumpen und 428 Handpumpen. Mehr als 75 000 Menschen haben seither besseren Zugang zu sauberem Trinkwasser. Aber nicht nur das: Kinder können sich viel leichter die Hände waschen und Ärzte sowie Pflegepersonal ihre Instrumente sauber halten. „Das Projekt hat uns viel Gutes gebracht!“, freut sich Dr. Charline.

Mit Ihrer Spende machen Sie lebensrettende Projekte wie Rano Tsara 2 möglich. Wir freuen uns, wenn Sie uns uns monatlich unterstützen. Jetzt spenden.

Das Projekt Rano Tsara 2 von Medair in Madagaskar wird unterstützt von der Europäischen Union, der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), der Glückskette, Agence de l’eau Rhône Méditerranée Corse sowie grosszügigen privaten Spenderinnen und Spendern.  

Die Inhalte dieses Artikels stammen von Mitarbeitenden von Medair in den Einsatzgebieten sowie am internationalen Hauptsitz. Die geäusserten Meinungen entsprechen ausschliesslich jenen von Medair und damit nicht unbedingt dem offiziellen Standpunkt anderer Hilfsorganisationen.


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