Afghanistan-Update: Weit mehr als die Extrameile

27 Juli 2016

Afghanistan-Update: Weit mehr als die Extrameile

„Das hat die Extrameile total übertroffen“, sagte Danielle und lachte. Die Medair- Mitarbeiterin erzählte uns von ihrem Einsatz in Afghanistan: Es war der zweite Tag einer langen Reise ins Zentrale Hochland von Aghanistan, einem Projektgebiet von Medair. Links und rechts ihres LKWs ragten steile, orange-braune Felsen empor. So schnell wie möglich wollte das Team die Menschen in den abgelegenen Dörfern erreichen und ihnen helfen – kniehohem Schlamm, Schnee und tückischen Strassenverhältnissen zum Trotz.

Medair sucht Familien in diesen Bergregionen auf, weil sie dort dauerhaft nicht genug zu essen haben. Sie leiden sehr. Die meisten Menschen ernähren sich lediglich von dem, was sie auf ihren winzigen Äckern anpflanzen können. Sie tun alles, um ihre Familien zu versorgen – doch dieses Leben ist ein täglicher Kampf.

Es ist nicht leicht, auf über 2500 Metern über Meer Getreide und Gemüse anzubauen. Aufgrund der langen Winter fällt die Anbausaison besonders kurz aus. Und die Erosion verschärft die Lage: Über die Jahre hinweg wurden fruchtbare Erde und Ackerland weggeschwemmt. Zwar haben die Dörfer Zugang zu Märkten, doch die Strassen zerfallen und werden zunehmend unpassierbar. Wenn im Herbst der erste Schnee fällt, sind ganze Dörfer oft monatelang von der Aussenwelt abgeschnitten.

Danielle und ihre Teamkollegen wurden Anfang April von routinierten Fahrern in die Region gebracht. Im ersten Dorf bemerkte Danielle einen Fluss, der parallel zur Strasse verlief und Unmengen von Erde mit sich führte. „Als ich das sah, bedauerte ich den schönen fruchtbaren Boden, der einfach weggeschwemmt wurde“, sagte sie.

Medair führt in Afghanistan Geld-für-Arbeit-Projekte durch, um Ackerland zu schützen und zu verhindern, dass fruchtbarer Boden abgetragen wird. Bedürftige Bauern, die an den Projekten teilnehmen, können auf diese Weise kurzfristig ihren Lebensunterhalt bestreiten. Sie heben Sickergruben aus und bauen Dämme, um das Dorf vor Katastrophen zu schützen. Das soll die durch Regen oder Schmelzwasser verursachte Erosion weitgehend verhindern.

„Ich bin noch nie in meinem Leben auf so schlechten Strassen gefahren“, sagte Danielle. Ein Zurück kommt für sie und das Helferteam nicht in Frage. Nach dem langen Winter benötigen Familien am dringendsten Hilfe. Sobald die Strassen wieder befahrbar sind, setzt Medair alles daran, um entlegene Dörfer zu erreichen – mag der Weg auch noch so beschwerlich sein.

Im vergangenen Frühjahr unterstützten Danielle und ihr Team innerhalb eines Monats 561 Menschen. Dadurch konnten sich die Familien wieder einmal mit dem Lebensnotwendigsten eindecken. Als Gegenleistung bauten die Teilnehmer des Projekts Dämme und hoben Gräben aus. Das soll Erosion vermeiden und Schäden durch Überschwemmung am ohnehin gefährdeten Ackerland reduzieren.

„Medair hilft dort, wo andere aufgegeben haben“, sagt ein Dorfältester. „Das sage ich nicht, um nett zu sein. Es ist die Wahrheit.“

Dank Ihrer Unterstützung kann Medair die Extrameile gehen, hungernde Familien versorgen und Ackerland schützen. Unterstützen Sie unsere Arbeit.

Die Projekte von Medair in Afghanistan werden ermöglicht durch die Canadian Foodgrains Bank, das Mennonitische Zentralkomitee (CA), Global Affairs Canada, den Common Humanitarian Fund, Interaction (CH) sowie privaten Spenderinnen und Spender.

Die Inhalte dieses Artikels stammen von Mitarbeitenden von Medair in den Einsatzgebieten sowie am internationalen Hauptsitz. Die Meinungen entsprechen ausschliesslich den Ansichten von Medair und damit nicht unbedingt dem offiziellen Standpunkt anderer Hilfsorganisationen

Foto copyrights: © Medair


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